Im Jahr 1894 und im Folgejahr erschienen
bei Macmillan & Co. London sowie The Century Co. New York die sogenannten
"beiden Dschungelbücher". Beide Bücher können - so man unbedingt
eine Zuordnung haben möchte - ansatzweise dem Genre des Entwicklungsromans und
der Tiergeschichten zugeteilt werden.
Die Bücher haben schwerpunktmäßig Geschichten um den Jungen Mowgli zum
Inhalt, der im indischen Dschungel aufwächst, allerdings finden sich noch
weitere Erzählungen. Dazu gehören u.a. "Die weiße Robbe" oder
"Rikki-Tikki-Tavi".
Die Übersetzungen in die deutsche Sprache waren allerdings häufig ideologisch
negativ beeinflusst - das Werk wurde gekürzt, verunstaltet, fehlübersetzt und
instrumentalisiert. Nach Angaben des Übersetzers Wolf Harranth war seine
vorgelegte Ausgabe aus dem Jahr 1987 die erste, die sich streng an den Wortlaut
des Originals hielt.
Wir haben zwei deutsche Ausgaben gelesen, die wir euch empfehlen möchten.
Ausführliche Befassungen mit dem Werk an sich folgen zu gegebener Zeit.
(Abbildung folgt in Kürze)
Rudyard
Kipling
Rudyard Kipling
Das
Dschungelbuch
Die Dschungelbücher I & II
übers. v. Wolf
Harranth
Neu übers. und hrsg. v. Gisbert Haefs
Illustrationen: Peter
Gut
Haffmans Verlag AG Zürich
Cecilie Dressler
Verlag
ISBN-10: 3-251-20319-3
ISBN-10: 3-7915-3605-2
Die Ausgabe des Dressler-Verlages richtet
sich von der Art der Übersetzung und der Illustrationen her eher an Kinder und
Jugendliche. Aus diesem Grund wurde auf eine Übernehmung des Vorwortes und der
Erzählung "Her Majesty's Servants" verzichtet. Die Übersetzung folgt
der bei Macmillan London hinterlegten Erstausgabe von 1894. Beachtenswert ist
das Nachwort Wolf Harranths.
Die laut editorischer Notiz vollständige Neuübersetzung durch Gisbert Haefs
basiert auf dem Text aus Macmillans "Uniform Edition" 1899 f. und legt
seinen Aspekt auf Vollständigkeit statt auf kindgerechte Aufarbeitung.
Großartige Abweichungen in der Übersetzung des ersten Dschungelbuches im Vergleich zur Dressler-Ausgabe waren
in einer ersten Durchsicht nicht festzustellen. Durch den großen
Anhang, der mit Hinweisen zu Werksentstehung, Rezeption, Einzelwerkangaben
und Sekundärliteratur gespickt ist, dürfte der an einer tiefergehenden
Befassung interessierte Leser einen guten Ansatz haben.
Anm. Auch beachtenswert ist dieser Zeitungsartikel
von Gisbert Haefs, der in der Schweizer Zeitung "Die Weltwoche" 2006
veröffentlicht wurde.